Wechselmodell nur einvernehmlich – Handlungsbedarf beim Unterhalt

Mütter kümmern sich um die Kinder, Väter bringen das Geld nach Hause – klingt nach den 50ern. Das „modernisierte Ernährermodell“ – sie arbeitet in Teilzeit, er setzt die Kinder auf dem Weg zur Vollzeitstelle bei der Kita ab – ist aber auch heute noch das in Paarfamilien am häufigsten verbreitete Modell. Der Gender Care Gap in Paarfamilien mit Kindern liegt bei 83 Prozent. Nach einer Trennung stellt sich die Frage: Welches Betreuungsmodell kann dem Kind die größte Sicherheit vermitteln, seine Eltern und Bezugspersonen in möglichst gewohntem Umfang zu behalten? Wie können gegebenenfalls Übergänge im Sinne des Kindes behutsam gestaltet werden? Wichtig ist zu verstehen: Kinder leiden vor allem unter den Konflikten ihrer Eltern, nicht unter Betreuungsmodellen – umgekehrt profitieren sie davon, wenn ihre Eltern respektvoll und freundschaftlich miteinander umgehen. Der VAMV sieht hier die große Bedeutung ergebnisoffener Beratung und lösungsorientierter Unterstützung bei Konflikten und setzt politisch auf das Stärken von Partnerschaftlichkeit in Paarfamilien. Hier ist der geeignete Zeitpunkt die Weichen dafür zu stellen, wie Familien ihr Nachtrennungsleben gestalten.

Debatte im Bundestag

Im März hat der Bundestag über zwei Anträge zum Wechselmodell beraten: Die FDP möchte es als gesetzlichen Regelfall verankern. Die Linke setzt auf die Elternautonomie und stellt das Kindeswohl in den Mittelpunkt. In der Bundestagsdebatte wurde deutlich, dass bis auf die FDP alle Parteien das Wechselmodell als Regelfall ausschließen. Sind die Eltern sich nicht einig und landen deswegen vor Gericht, brauche es Einzelfallentscheidungen. Die SPD möchte allerdings trotzdem das Wechselmodell klarstellend im Gesetz verankern. Der Koalitionspartner CDU/CSU sagte in der Debatte ziemlich offen, dass er dies zwar nicht für notwendig hält, aber auch nicht für schädlich. Der federführende Rechtsausschuss hat beschlossen, zum Wechselmodell eine Anhörung durchzuführen. Diese soll im Herbst stattfinden. Offen ist weiter, wann die durch das BMBSFJ beauftragte Studie zu „Umgang und Kindeswohl“ veröffentlicht wird. Vielleicht hat diese das Potenzial, die hochideologische Debatte über das Wechselmodell mit wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen zum Kindeswohl, eingebettet in die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen Deutschlands, zu versachlichen. Die Verengung auf die dogmatische Frage, welches Modell das beste ist und welches gesetzlich verankert werden sollte, bringt die Diskussion, was für Nachtrennungsfamilien hilfreich ist, nicht voran. Es geht um kein generelles besser oder schlechter. Denn wir haben es mit komplexen Familiensituationen zu tun, für die es individuelle Antworten braucht. Wir sollten deshalb über ein Nebeneinander von Betreuungsmodellen wie Residenzmodell, erweitertem Umgang, Wechselmodell oder Nestmodell sprechen.

Eine gesetzliche Regelung des Wechselmodells, auch eine „nur klarstellende“, ist aus Sicht des VAMV deshalb nicht empfehlenswert, denn dies käme der Etablierung eines Leitbildes zu nahe. Bislang gibt das Familienrecht aus guten Gründen kein Leitbild vor. Aktuell hat der VAMV ein Positionspapier zum Wechselmodell erarbeitet, das Sie im Folgenden in Auszügen lesen können.

Miriam Hoheisel / Artikel aus VAMV-Bundesverbandinfo 2

Das Positionspapier des VAMV zum Wechselmodell kann über www.vamv.de heruntergeladen werden oder direkt in der Geschäftstelle angefordert werden